3 Apr

Inkasso als Folge neuer Denkweisen — Änderungen der Verbrauchereinstellungen sind notwendig

Inkassounternehmen erfahren in der Schweiz eine immense Umsatzsteigerung, und das schon seit längerer Zeit. Es stellen sich zwei Fragen: Worin liegen die Gründe? Was können Verbraucherinnen und Verbraucher unternehmen, damit ein Inkassobüro wegen unbezahlter Rechnungen nicht an die Tür klopfen muss? Inbesondere in Zeiten von Corona, ist ein pflichtbewusster Umgang mit den eigenen Finanzen sehr wichtig.

Inkasso: Sichtweise ändern, neue Wege finden
Inkasso: Sichtweise ändern, neue Wege finden

 

Herr und Frau Schweizer kaufen gern und viel

Die Haushalte der Schweiz konsumieren in beträchtlichem Ausmass. Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) aus dem Jahr 2018 zufolge floss mehr als die Hälfte des Durchschnittseinkommens in Konsumgüter. Die Schweizer Bürger investieren demnach viel Geld unter anderem in Restaurantbesuche sowie in ihre Unterhaltung.

Die Statistik des BSF zeigt, dass der Bereich «sonstiger Konsum» einen fast genauso hohen Anteil an den Ausgaben ausmachte, wie die Kosten für Wohnen und Energie.

Hierbei sticht die Schweiz im Ländervergleich zwar nicht heraus, jedoch verdeutlichen die Grössenordnungen, dass hierzulande eine beträchtliche Konsumfreudigkeit vorherrscht. Die Auswertung einer deutschen Online-Mode-Suchmaschine hat 2019 umfassend ergeben, dass die Schweizerinnen durchschnittlich 455,00 Euro für ihre Online-Mode-Einkäufe ausgeben. Damit zeigt sich eine weitere Entwicklung im Verhalten der Schweizer: die steigende Beliebtheit des virtuellen Einkaufens. Bereits 2016 hat Deloitte ermittelt, dass im Detailhandel allein Bekleidung sowie Heimelektronik einen Online-Anteil in Höhe von 17 % respektive 27 % ausmachten. Ebenfalls hat die Erhebung aufgezeigt, dass die Nutzung digitaler Geräte und Geldkarten zum Bezahlen erheblich gestiegen ist. Gemäss einer E-Commerce-Studie von Y&R Wunderman aus dem Jahr 2019 liegt der Grund in der «Convenience». Die Schweizerinnen und Schweizer lieben die Bequemlichkeit beim Einkauf.

Inkassounternehmen im stetigen Aufwind

Millionenfach unbeglichene Rechnungen und eine dementsprechend hohe Anzahl an Betreibungen durch Inkassofirmen verdeutlichen die Notwendigkeit einer Abkehr vom herkömmliche Verbraucherverhalten und -denken. Das Inkasso wird ein immer wichtigerer Bestandteil der Schweizer Wirtschaft. Es verhilft den kleinen, mittleren sowie grossen Unternehmen zu den ihnen zustehenden Kundengeldern. Firmen, die das Inkasso zu ihrem Geschäftsfeld gemacht haben, sorgen für eine Entlastung im Bereich Forderungsmanagement. Zusammengeschlossen in dem im Jahr 1941 gegründeten Verband der Inkassotreuhandinstitute ivs haben sich jedenfalls die Mitglieder einem Kodex unterworfen, der den Schuldnerinnen und Schuldnern eine gesetzeskonforme und moralisch einwandfreie Behandlung ihrer Sachverhalte gewährleistet.

Damit sehen sich diese Unternehmen nicht nur in der Verpflichtung, die Forderung lediglich zu betreiben, sondern auch den betroffenen Personen hilfreich zur Seite zu stehen.

Auch wenn öffentliche Einrichtungen wie beispielsweise Schuldnerberatungen eine solche Unterstützung bieten, stellen Inkassobüros ebenfalls kompetente und die Säumigen unterstützende Ansprechpartner dar. Sie beantworten drängende Fragen, sind verhandlungsbereit und wollen Lösungen erreichen, die sowohl im Sinne der Unternehmen sind als auch deren Kundschaft einen Nutzen verschaffen. Der Hintergrund ist, dass diese in der Regel ja auch weiterhin Einkäufe tätigen sollen.

Konsum ist wichtig, Disziplin jedoch ebenfalls

Die Wirtschaft muss laufen. Dazu gehört auch der Einkauf von Gütern, die nicht unbedingt dazu dienen, mit dem Nötigsten versorgt zu sein. Der Mensch muss sich und andere belohnen können und dürfen, das gehört grundsätzlich seinem Wesen. Auswärts essen, der Kinobesuch oder auch ein Präsent für die Liebsten verschaffen Lebensqualität und steigern das Wohlbefinden aller Beteiligten. Der Inhaber des Restaurants, das Kino sowie der Geschenkartikelladen freuen sich über den Umsatz. Kundinnen und Kunden geniessen das Mahl respektive den Film. Beschenkte und Schenker fühlen sich glücklich.

Bei all diesen positiven Aspekten ergibt es jedoch wenig Sinn, wenn die Relation zwischen den zur Verfügung stehenden Geldmitteln und den Ausgabeverhalten nicht stimmig ist.

Nach einer gewissen Zeit erfolgt ein Zustand, der für alle Seiten negativ ausfällt und die Situation umkehrt. Fehlt den Verbraucherinnen und Verbrauchern das nötige Geld, verzeichnen über kurz oder lang Gaststätten, Kinos und Händler ein Einnahmeminus. Diese Negativspirale gilt es zu verhindern, wobei die Verbraucherseite am ehesten gefordert ist. Ein Umdenken und Maßhalten muss her.

Wie kann die Balance hergestellt werden?

Ziel kann es nicht sein, dass sämtliche Ausgaben (auch wegen der Pandemie) für Konsumgüter zurückgehalten werden und die Schweizer Haushalte sich ein «spartanisches» Leben verordnen.

Um der eigenen finanziellen Überforderung zu entgehen, reicht es schon aus, bei gewissermaßen jeder Finanzaktion zu reflektieren, ob diese tatsächlich und in der Höhe stattfinden muss. Ist das neueste Tablet tatsächlich notwendig oder lohnt sich ein Abwarten mit der Anschaffung? Muss das wöchentliche Treffen mit dem Freundeskreis wirklich im Restaurant stattfinden oder kann das nicht auch alle 2 Wochen der Fall sein? Zurzeit herrscht augenscheinlich die Meinung vor, das nötige Geld für ungezügelten Konsum sei leicht zu beschaffen beziehungsweise es sei quasi bedenkenlos möglich, die eine oder andere Rechnung spät oder eventuell gar nicht zu bezahlen. Das zeigen die nackten Zahlen.

Obwohl es Unternehmen, die unbeglichene Forderungen betreiben, aus den oben angeführten Gründen geben muss, so ist es dennoch unangenehm, wenn ein Mitarbeiter aus diesem Zweck vor der Haustür steht oder ein entsprechendes Betreibungsschreiben ins Haus flattert. Um dem entgegenzuwirken und sich selbst ein gutes Lebensgefühl zu erhalten, sollten die Schweizerinnen und Schweizer allein im Eigeninteresse ein Gleichgewicht von Geld und Ausgabeverhalten herstellen.

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