19 Feb

Von der natürlichen zur digitalen Überwachung

Wir werden überwacht. Immer mehr. Kein Wunder. Die kürzlich in der ARD-Sportschau gezeigten Bilder von den gewaltbereiten Fans im Match zwischen Köln und Borussia Mönchengladbach lösen bei mir nur Kopfschütteln aus. Vermummte Fans, die nur darauf warten, zuschlagen zu können. Eruiert werden solche Gesetzesbrecher in der Regel durch Festnahmen oder durch Videokameras. Letztere nützen nur dann, wenn das Gesicht sichtbar ist. Ein Grund mehr, aus den genannten Gründen gesetzlich ein Verbot zu erreichen.

Videoüberwachung, Daten erfassen im Internet - wo liegen die Grenzen und wer definiert sie?
Videoüberwachung, Daten erfassen im Internet – wo liegen die Grenzen und wer definiert sie?

Google, Facebook und …

Es ist kein Geheimnis. Früher sprachen wir von den Grossmächten und meinten damit die beiden Länder USA und Russland. Heute, so scheint es mir, sind es nicht mehr Länder sondern Grossunternehmen wie Google, Facebook, Apple, Microsoft. Sie überwachen uns. Sammeln Daten unserer digitalen Spuren. Bei unserer Suche im Internet werden wir mit passender Werbung begleitet. Das nennt sich Remarketing. Ich suche nach einem bestimmten Produkt und bekomme auf den weiteren Webseiten meiner Suche Werbung eingeblendet, die genau auf dieses Produkt ausgerichtet ist. Meine digitalen Spuren sind dafür verantwortlich. Mein Handeln ist es, das meine Interessen ohne Wenn und Aber offenlegt. Wer sät, wird ernten.

Ich habe nichts gegen Überwachung …

wenn ich letztendlich zielgerichtete Werbung erhalte. Solange ich nicht mehr Dinge kaufe, die ich eigentlich gar nicht brauche. Hingegen stört es mich, wenn grosse Firmen dank meinen Daten noch reicher werden. Noch mächtiger. Und noch mehr Firmen dazu kaufen. Am Ende haben wir eine weltweite Marktwirtschaft, die von wenigen Grossfirmen dominiert wird. Die damit verbunden Risiken sind enorm. Abhängigkeit. Dominanz pur. Der Markt kann nicht mehr spielen. Gefahren ohne Ende.

Früher war alles anders

Sorry. Nein! Wir waren uns früher weniger bewusst, welche Spuren wir hinterlassen. Und der Unterschied zu heute ist der, dass Überwachung digital geschieht. Das war vor dem Aufbau des Internets nicht so. Da wurden Daten noch mit Meinungsumfragen erforscht. Telefonisch und schriftlich. Meinungsbildung am Stammtisch statt in anonymen Online-Foren. Zudem stelle ich immer mehr fest, dass wir auch offline unsere Spuren hinterlassen. Das merkt man, wenn man regelmässig mit dem Hund Gassi geht. Man sieht viele Veränderungen. Dadurch, dass man nachts unwillkürlich in die beleuchteten Wohnzimmer sieht. Oder wenn plötzlich statt einem Auto gleich drei regelmässig vor einem Haus parkiert sind. Der Garten, der neu gestaltet wurde. Signale, die unbewusst Auskunft geben. Das Schild «Hier wache ich» mit dem Schäferhund-Kopf nützt wenig, wenn die Bewohner nicht täglich mit dem Hund spazieren gehen. Unser Verhalten und Veränderungen rund ums Haus vermitteln Botschaften, derer wir uns zu wenig bewusst sind.

Videoüberwachung macht Sinn

Wie in vielen anderen Fällen, macht Überwachung in Teilbereichen Sinn. Zum Beispiel im Bereich Baustellen-Webcam. Ja klar, auch hier werden Menschen überwacht, werden Vandalen erfasst. Nur geht es eben noch um mehr. BaustellenWebcams dokumentieren den Bauablauf. Zeigen, wann was wie gebaut wurde. Wo versteckte Schäden herkommen könnten. Wer selbst baut, weiss, das potenzielle Eigenheim oder Geschäftshaus kann ins Geld gehen. Bauschäden und –mängel sind oft umkämpfte Gebiete. Ohne Aufnahmen einer Baustellen-Webcam hat man Aussage gegen Aussage. Eine 24- Stunden-Überwachung zu engagieren ist zu teuer. Bleibt die kostengünstige Variante der Baustellen-Webcam.

In einem gewissen Masse …

müssen wir wohl damit leben lernen, überwacht zu werden. «Böse Jungs und Mädels» tragen das ihre dazu bei, dass es immer mehr Videokameras an öffentlichen Stellen gibt. Wo ist das rechte Mass? Wo sind die Grenzen dieser immer einschneidenderen Überwachung? Vielleicht müssen wir tatsächlich damit leben lernen. Vielleicht geht es auch darum, unser Verhalten zu korrigieren. Nur genau das ist das Schwierigste. Verhalten ist Ausdruck von Lebensstil. Von innerer Überzeugung. Und so schnell können wir uns nicht ändern …

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